Mittlerweile können unsere Gründungspartner Thomas Ullmann und Prof. Dr. Dr. Alexander Brink auf ein ganzes Jahrzehnt erfolgreicher Projekte zurückblicken. Ein Anlass, unsere Gründer mal ein wenig auszuquetschen, dachten wir concern-„Neulinge“ Miriam, Maren, Alexandra und Cameli uns. Was die Motivation hinter der Gründung war, was für Zweifel sie anfangs begleitet haben und welche Themen gerade brandaktuell sind, haben sie uns in einem Interview verraten…

Miriam (Beraterin): Das Thema purpose ist heutzutage in aller Munde. Was war denn Deine Motivation, Alexander, concern vor 10 Jahren mitzugründen?

Alexander: Die Frage nach dem Sinn und Zweck ist in der Tat hoch aktuell. Neu ist sie allerdings keineswegs: Schon Aristoteles verwies auf das telos, also den einer Person oder Sache innewohnenden Zweck. Dass der BlackRock-Chef Larry Fink in seinem „Letter to CEOs“ nun schon zum dritten Jahr in Folge auf den Zusammenhang von purpose and profit hinweist, verdeutlicht, wie hochaktuell das Thema wieder ist. Wir können von einer Renaissance der Werte sprechen. Die junge Generation will in Unternehmen arbeiten, die sinnvolle Produkte und Dienstleistungen anbieten und damit erfolgreich sind.

Ich kann das sehr gut verstehen. Als ich 2002 an die Universität Bayreuth für ein neues Studienprogramm „Philosophy & Economics“ berufen wurde, war für mich schnell klar, dass Wissenschaft nur dann sinnstiftend ist, wenn sie eine praktische Relevanz hat. Ich war sehr froh, als Moritz – einer unserer Absolventen – eines Tages in mein Büro kam und mich fragte, ob ich mir vorstellen könnte, gemeinsam mit Thomas eine Unternehmensberatung für Corporate Responsibility zu gründen. Sie sollte concern heißen.

Miriam (Beraterin): Und was hat Dich, Thomas, motiviert, den Gründungsimpuls für concern zu geben?

Thomas: Ich war damals in einer Phase der Neuorientierung. Nach 15 Jahren klassischer Unternehmensberatung wollte ich das nicht mehr machen. Die Idee, Beratung für ein positiv besetztes und „moralisch wertvolles“ Thema zu machen, fand ich reizvoll. Außerdem war es die Motivation, zu zeigen, dass es gelingen kann, ein Startup mit einer Kombination aus akademischem Background, engagierten jungen Gründern und klassischer Beratungserfahrung erfolgreich zu machen. An dritter Stelle auch die Motivation, eine Rendite auf das eingesetzte Kapital zu erwirtschaften, aber das stand nicht im Vordergrund.

Alexandra (Werkstudentin): Auf welche Erfolge und Erfahrungen blickt ihr zurück? Welche waren eure Schlüsselmomente und welche Gefühle und Gedanken, aber auch Zweifel haben euch begleitet?

Alexander: Ich kann mich gut erinnern, als wir die Zusage unseres ersten Klienten hatten. Thomas, Moritz und ich saßen damals zu einem Strategietreffen beisammen als das Telefon klingelte. Ein unvergesslicher Moment für ein junges Unternehmen. Seitdem genieße ich die wachsende Bedeutung des Themas – trotz aller Widerstände, die es gab und immer noch gibt.

Thomas: Ein großer Erfolg ist sicherlich, dass es uns nach 10 Jahren noch gibt! Das schaffen nicht so viele Startups. Ich erinnere mich noch gut an einen unserer ersten großen Pitches, da saßen wir mit Vorstand und Bereichsleitern eines Milliardenunternehmens und haben uns präsentiert, neben mehreren sehr renommierten Wettbewerbern. Wir wurden gefragt: warum concern? Da haben wir gesagt: das Besondere an uns im Vergleich zu anderen Anbietern ist, dass wir hier heute mit allen Partnern und Gesellschaftern und 60% der Belegschaft angetreten sind – für uns hat dieses Projekt wirklich oberste Priorität. Das gab erstmal einen Lacher, und anscheinend haben wir dann auch inhaltlich überzeugt, denn wir haben den Zuschlag bekommen und uns unter anderem gegen McKinsey durchgesetzt – ein echtes Highlight. Wir haben eine Menge sehr namhafter Klienten gewonnen, herausfordernde Projekte erfolgreich bewältigt, haben Top-Mitarbeiter und zufriedene Klienten.

In den ersten Jahren  gab es aber auch sehr kritische Phasen. Wenn man im Januar nicht sicher ist, ob man im Februar noch die Gehälter zahlen kann, macht das keinen Spaß. Aber wir haben diverse Krisen überstanden und sind gestärkt daraus hervorgegangen.

Maren (Praktikantin): Was ist das Besondere bei concern?

Thomas: Nach wie vor sind wir in der Kategorie „klein aber fein“ bzw. „hier kocht der Chef selbst“. Profundes Know-How, hohes Commitment und exzellente Projektergebnisse sind unsere Stärken.

Alexander: Concern ist eine Unternehmensberatung im Bereich Responsibility, Sustainability und Governance – wenn nicht in ihrer ‚strategischen Ausrichtung‘ sogar die erste, zumindest im deutschsprachigen Raum. Darüber hinaus sind wir als Berater in dem, was wir tun, konsequent werteorientiert.

Cameli (wissenschaftliche Mitarbeiterin): Wo seht ihr Chancen für die Zukunft? Wo kann concern auch in Zukunft einiges bewegen? 

Thomas: Wir waren vielleicht mit einigen Inhalten, die wir vertreten haben, (zu) früh dran. Das Thema „Nachhaltigkeit / CR im Kerngeschäft“ war 2010 erst bei relativ wenigen Vorreitern anzutreffen, da hat sich in den letzten 10 Jahren der Markt gewissermaßen in unsere Richtung entwickelt. Andere Themen wie „Digital Privacy“ sind hinzugekommen – das Marktpotenzial ist nach wie vor sehr groß. Außerdem haben sich die Ansprechpartner verändert: waren es anfangs hauptsächlich CR-/Nachhaltigkeitsabteilungen, reden wir heute immer mehr direkt mit der Unternehmensleitung oder klassischen Ressorts wie z.B. Vertrieb.

Alexander: Gegenwärtig deuten sich zwei große Entwicklungen an. Man könnte von einer verhaltensorientierten und einer digitalen Wende in der Wirtschafts- und Unternehmensethik sprechen. Wir setzen daher erstens auf das Thema Wertepositionierung (Value Positioning). Unternehmen sollten sich der normativen Grundlagen ihres Handelns bewusst sein und Haltung, Handlung und Wirkung konsequent miteinander verbinden. Der werteorientierte Strategie-, Struktur- und Kulturwandel steht hier im Zentrum. Unternehmen die herausragen, bezeichnen wir als purpose leader. In Zeiten des Fachkräftemangels werden diese Unternehmen sich durchsetzen.

Das zweite Thema ist die verantwortliche Gestaltung der Digitalisierung (Corporate Digital Responsibility). Hier hat sich in den letzten drei Jahren eine starke Dynamik entwickelt. Wir arbeiten eng mit Unternehmen, aber auch mit der Politik an der Frage der digitalen Transformation. Werte spielen im digitalen Zeitalter eine zentrale Rolle; das beginnt im Umgang mit Daten und geht bis zum Beitrag der Digitalisierung zur Förderung der Sustainable Development Goals. Hier kann Europa sich von den USA und China klar abgrenzen. Deutschland ist mit der Sozialen Marktwirtschaft top auf diese Transformation vorbereitet.

Lieber Thomas, lieber Alexander, herzlichen Dank für das Interview!